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Abfall-ABC

Holz mit Geschichte

Fassade mit Zukunft


Ein Pilotprojekt für zirkuläres Bauen

Gestern Terrasse.

Heute Fassade.

Morgen Kreislauf.
 

Im Rahmen einer geförderten Dachsanierung am ZAK Verwaltungsgebäude in Kempten wurde auch die Fassade des nördlichen Anbaus energetisch saniert und optisch aufgewertet. Für die hölzerne Fassadenverkleidung wurde jedoch kein Neumaterial beschafft, sondern Material genutzt, das üblicherweise im Altholz-Container landet. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden dafür Strukturen aufgebaut und Prozesse getestet.

Als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger möchten wir einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen vorleben. Neben den etablierten vier ZAK Kaufhäuern konnte nun mit dem Pilotprojekt der Fassade auch für die Fraktion Altholz eine Infrastruktur getestet werden, um Abfallvermeidung und  Wiederverwendung zu fördern. So denken wir Kreislaufwirtschaft stets etwas weiter und beziehen Bürger:innen direkt ein.

Der Bausektor ist für einen wesentlichen Anteil an den globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Um Klimaziele zu erreichen und auch Antworten auf die Ressourcenfrage zu entwickeln, braucht es Ansätze des zirkulären Bauens. Ein wesentlicher Aspekt dabei, ist die Wiederverwendung von bereits existierendem Materialien und Bauteilen, da in ihnen bereits graue Energie gespeichert ist. Das Pilotprojekt zielt genau darauf ab und untersucht, was es braucht, um die Wiederverwendung von Material möglich zu machen.

Ein Prozess mit steiler Lernkurve.

3. Aufbereitung

Nach Bedarf wurden Nägel entfernt und Anbauteile demontiert. Danach erhielt jedes Element eine Tropfkante zur Wasserableitung und wurde auf Länge gebracht.

Foto: Alexander Bernhard

4. Montage

Lokale Handwerksbetriebe montierten die Bauteile und Materialien auf der vorbereiteten Unterkonstruktion. Bauteil für Bauteil. Linie für Linie.

Foto: Alexander Bernhard

5. Ungenutztes Potenzial

Im Verbandsgebiet fallen jährlich etwa 16.000 Tonnen Altholz an. Die Analyse eines Altholz-Containers zeigt: Rund 15 % des Inhalts bestehen aus hochwertigem Vollholz und eignen sich damit potenziell für die Fassadenverkleidung. Das sind rechnerisch 46 Tonnen pro Woche.

Foto: BR

1. Materialsammlung

An den Kemptener Wertstoffhöfen wurden separate Bereiche zur Materialsammlung eingerichtet. Ergänzend konnten Bauteile aus Rückbauprojekten gerettet werden.

Foto: BR

2. Katalogisierung

Jedes Stück wurde nach Maß, Menge, Herkunft und Erscheinungsbild erfasst. So fand jedes Element später seinen passenden Platz an der Fassade.

Foto: Alexander Bernhard

Daten und Fakten.
 

  • 126 m² Fassadenfläche wurden mit Holz aus einer vorherigen Nutzung in Form einer vertikalen offenen Leistenschalung verkleidet.
  • Ca. 1.700 kg Material sind an der Fassade verbaut. Das entspricht etwa 4,9 Bäumen, die nicht gefällt werden mussten.
  • Keine Mehrkosten zu Neubau. Verglichen mit dem Bau einer Rhombusfassade aus Neumaterial waren zur Realisierung zwar mehr Personenstunden notwendig, das Material stand uns dabei allerdings kostenfrei zur Verfügung.
  • Ca. 11 t CO₂ gegenüber Neubau gespart. Ausschlaggebend sind hier die weitere Speicherung des im Holz gebundenen CO₂ anstelle einer Freisetzung durch thermische Verwertung und der Verzicht auf neue Baumaterialien. Im verbauten Material sind rund 6,2 t CO₂ gespeichert.

Jedes Brett erzählt eine Geschichte.

3 4 5 6 7 8 1 2

3. Deckenverkleidung

Materialernte: Gasthaus Löwen in Lauben

4. Holzprofil

Materialsammlung, Wertstoffhof Kempten-Unterwang

5. Möbelbrett

Materialsammlung, Wertstoffhof Kempten-Unterwang

6. Terrassendiele

Materialsammlung, Wertstoffhof Kempten-Schumacherring

7. Schalungsbrett

Materialernte: Stadel in Oberbeuren

8. Fensterladen

Materialernte: Lebenshilfe Marktoberdorf

1. Nut-Feder-Brett

Materialsammlung, Wertstoffhof Kempten-Heussring

2. Konstruktionsholz

Materialernte: Dachsanierung ZAK Verwaltungsgebäude

 

Projektumsetzung.


Das Pilotprojekt wurde von der Konzeption bis Fertigstellung in rund 12 Wochen im Frühjahr/Sommer 2026 umgesetzt.

21.03.

Analyse eines Altholz-Containers am Wertstoffhof Kempten-Unterwang. Um den Anteil an Vollholz und damit das Potential für das Vorhaben abschätzen zu können, wurde der Inhalt eines Containers eindrucksvoll sortiert. 

13.04.

Einrichtung von Sammelstellen und Beginn der Materialsammlungen an den Kemptener Wertstoffhöfen und im Rahmen von Materialernten bei Rückbauprojekten in der Region über einen Zeitraum von rund 6 Wochen.

23.04.

Erstellungen eines Prototypen, anhand dessen technische Details geklärt und Rückschlüsse für die praktische Umsetzung geschlossen wurden.

26.05.

Beginn der Montage der Fassadenelemente durch lokale Handwerksbetriebe und Facharbeiter mit Unterstützung von Mitarbeitenden der ZAK Verwaltung in etwa fünf Werktagen.

10.06.

Mit der Montage der Fensterlaibungen werden die Arbeitenan der Fassade finalisiert

Ausblick
  • Ausloten von Möglichkeiten zum Aufbaus einer Infrastruktur zur Abfallvermeidung für taugliches Holz.
  • Aufbau eines Reallabors: Annahme von Materialspenden an Wertstoffhöfen, Entwicklung von Selektionsprozessen, Aufbau einer einfachen Aufbereitungseinheit, Digitale Erfassung und Erstellung eines Materialkatalogs für Planungszwecke.
  • Umsetzung von Folgeprojekte in der Region, die auf den Erfahrungen des Pilotprojekts aufbauen. 

Holzkreislauf neu gedacht.


Erst prüfen, dann verwerten: Geeignetes Holz wird als Materialspende angenommen und einer Nachnutzung zugeführt. Nicht-taugliches Material geht in die Altholz-Sammlung. 

Projektbeteiligte.
 

  • 2upertecture Architekten, Kaufbeuren 
    Konzeption, Planung, Mitwirkung bei der Montage der Pilotfassade
  • Spenglerei und Dachdeckerei Baumann, Oy 
    Ausführung Dämmung und Unterkonstruktion, sowie Laibungen
  • Team der ZAK Wertstoffhöfe, Kempten
    Materialsammlung an den Wertstoffhöfen Unterwang, Heussring und Schumacherring
  • Schreinerei Boneberg, Betzigau 
    Materialzuschnitt und -vorbereitung
  • Zimmermänner Stefan Lipp und Korbinian Rothermel
    Montage der Pilotfassade
  • Mitarbeitende ZAK Verwaltung
    Mitwirken bei Montage der Pilotfassade 
     

Bild und Film:

  • Bayerischen Rundfunk (BR): Das Pilotprojekt wurde von der Container-Analyse bis zur Fertigstellung vom BR begleitet.
    Aus dem Material wurde bereits ein Radiobeitrag erstellt. Die Ausstrahlung des Filmbeitrags erfolgt am Montag, 17.08.2026 um 19:00 Uhr im Rahmen der Sendung “Unkraut” im BR.
  • Architekturfotograf Alexander Bernhard: Das Ergebnis des Pilotprojekts wurde dankenswerterweise von Hr. Bernhard festgehalten, um darüber berichten zu können.

Material spenden. Bauwende gestalten.


Das Projekt hat einen wichtigen Prozess angestoßen. Damit hochwertiges Holz zukünftig ganz selbstverständlich weitergenutzt wird, braucht es weitere Schritte. Dazu gehören eine Sammelstruktur mit klaren Selektionsprozessen an den Wertstoffhöfen, einfache Aufbereitungseinheiten und eine digitale Erfassung der verfügbaren Bauteile und Materialien. Mit dem Ziel weitere ähnliche Projekte umzusetzen, arbeiten wir nun an dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur. So entwickeln wir Kreislaufwirtschaft kontinuierlich weiter und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Schonung unserer natürlichen Ressourcen.

Auf dieser Seite halten wir dich auf dem Laufenden!

Du hast Fragen zum Projekt oder eine konkrete Anfrage?


Steffen Kustermann begleitet das Projekt beim ZAK federführend und freut sich über Nachrichten zu Materialspenden, Folgeprojekten und allen Fragen rund ums zirkuläre Bauen.

Ihre Ansprechpartner:

Steffen Kustermann